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Shanghai History Museum

  • Autorenbild: Markus
    Markus
  • 24. Nov. 2021
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Nov. 2022


Race Horse Club, Shanghai, Shanghai History Museum

Historische Abbildung des Race Horse Clubs mit Zuschauertribünen, die heutzutage nicht mehr vorhanden sind.


Am People's Square ist man so ziemlich mitten im Zentrum Schanghais. Die gleichnamige, direkt darunter liegende U-Bahn-Station Renmin Guangchang (People’s Square) ist verwirrend groß, drei Linien kreuzen sich dort, es gibt 20 Ausgänge und täglich werden dort 10 Millionen Menschen durchgeschleust. An der Oberfläche verläuft die Nanjing Road, die wichtigste Einkaufsstraße Schanghais, und tangiert den People's Park. Es ist verwirrend und wenn man die U-Bahn verlässt, man weiß nicht, in welche Richtung man gehen soll, die Distanzen sind groß, sich zu verlaufen wäre anstrengend.


Ziel heute ist das Shanghai History Museum. Es liegt am People's Park.

Man nimmt am besten die U-Bahn-Linie 2 und verlässt die Station über die Ausgänge 8. 9. 10 oder 11. Oben gelangt man auf die Nanjing Road und wenn man den Park im Rücken hat, vor sich die Nanjing Road und man auf die historischen Gebäuden auf der gegenüberliegenden Seite schaut, geht man nach links, Richtung Westen. Das Museum ist nur wenige Gehminuten entfernt.


Der People's Park ist eine ehemalige Pferderennbahn, die von den Briten erbaut wurde. Es gibt wohl keinen Ort auf der Erde, an dem sich Briten niederließen, ohne Pferderennbahnen. Der Park ist ziemlich groß, hat eine ovale Grundfläche und wenn man weiß, dass es eine ehemalige Pferderennbahn ist, erkennt man viele Hinweise darauf, z.B. das eine oder andere freie Rasenstück oder Wegführungen, die sich teilweise der ehemaligen Rennstrecke anpassen.

Der Park des Volkes (People's Park), eine ehemalige Pferderennbahn, wie man noch deutlich an seiner ovalen Form erkennen kann.


Direkt neben dem Park liegt das Gebäude des ehemaligen Race Horse Clubs, das 1933 von den Briten erbaut wurde - ein schönes Gebäude im Stil seiner Zeit mit einem Glockenturm, der früher ein weithin sichtbares Wahrzeichen Schanghais war. Heute wirkt er zwischen den vielen Hochhäusern eher klein. Das Gebäude strahlt außen wie innen die Gediegenheit britischer Lebensart aus.

Seit 2018 ist darin das Shanghai History Museum untergebracht.


Blick ins Treppenhaus des ehemaligen Race Horse Clubs


Auch wenn man nicht ins History Museum gehen will, was aber unbedingt empfehlenswert ist, lohnt sich ein Besuch des Cafés und Restaurants auf der Dachterrasse. Da man keinen Eintritt fürs Museum zahlen muss, kommt man leicht dorthin und hat einen spektakulären Rundumblick über Schanghais Zentrum. Schanghai ist riesig, so dass man auch hier nur einen kleinen Ausschnitt überblicken kann, aber man bekommt dort oben eine gute Orientierung und sieht, in welche Richtung man nun gehen muss, um zum Bund zu kommen, zum Jing'an Tempel oder zur French Concession.

Dachterrasse (Roof Garden) des Schanghai History Museums

Auf der Dachterrasse des Gebäudes mit dem Glockenturm

Blick auf den People's Park vom Dachgarten, View over People's Park from Roofgarden, Shanghai History Museum

Blick von der Dachterrasse über die nördliche Ecke des Parks Richtung Nanjing Road, dem Radisson Blue Hotel mit dem Ufo-ähnlichen Aufbau. Auf der rechten Bildhälfte sieht man das Shinzo International Plaza mit den beiden Spitzen . Das dunkle Backsteingebäude auf der linken Bildhälfte ist das Park Hotel, ein Art-Deko-Gebäude, und links davon sieht man ziemlich klein den weißen Turm des Grand Theatres, ein altehrwürdiges Kinos, ebenfalls im Art-Deko-Stil


Bei gutem Wetter will man von dieser schönen Dachterrasse mit den großartigen Ausblicken gar nicht mehr so schnell weg. Man ist mittendrin und hat trotzdem Ruhe. Direkt nebenan schlägt der Glockenturm zur vollen Stunde und klingt mit seinen halben Tönen irgendwie britisch und ein bisschen schräg .

Früher war die Dachterrasse ein sehr exklusiver Ort, der nur für Pferdebesitzer oder Clubmitglieder zugänglich war. Seit Ausrufung der Volksrepublik hat sich das natürlich grundlegend geändert.

Der Fahnenmast auf dem Glockenturm war übrigens ein Mast von einem chinesischen Kriegsschiff, dass die Briten in einem der Opiumkriege gekapert hatten. Bis zur Ausrufung der Volksrepublik war an diesem Mast der Union Jack gehisst - mal wieder eine Lektion in Sachen: Demütigung eines Volks. Die Entfernung der britischen Flagge war eine der ersten Aktionen nach der Ausrufung der Volksrepublik.

Das gesamte Gebäude spiegelt einen Teil der Geschichte Schanghais wider.

Speisekarte, Menu; Shanghai History Museum
Speisekarte, Menu; Shanghai History Museum

auf der Dachterrasse, Shanghai History Museum
auf der Dachterrasse, Shanghai History Museum


Im Geschichtsmuseum im Gebäude werden 6000 Jahre Geschichte gezeigt. Die Entwicklung wird chronologisch dargestellt, die Exponate werden ästhetisch präsentiert,Vitrinen und Ausstellungsräume sind dem Charakter des Gebäudes angepasst, indem edle Materialien, wertvolle Hölzer etc. verwendet wurden. Teilweise sieht es aus wie in einem britischen Club.

Inhaltlich liegen die Schwerpunkte vor allem auf den letzten 500 Jahren, der Begegnung Europas und Chinas ab dem Beginn der Neuzeit, dem Opiumkrieg mit seinen Folgen, der Zeit der Konzessionen, in der die Stadt zu einem Zentrum der Mischung fernöstlicher und europäischer Kultur wurde, die man - heute eher weniger, aber noch bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg - mit Schanghai assoziierte, dem Sino-Japanischen Krieg und der Kommunistischen Partei. Es ist viel, was geboten wird, so dass ein Besuch nicht ausreicht, um alles zu erfassen.


Mir hat besonders die Abteilung zur Begegnung zwischen Europa und China gefallen, da dort einige Aspekte Chinas thematisiert werden, die in Europa allgemein eher unbekannt sind, aber faszinieren. Marco Polos frühere Beschreibungen wurden lange Zeit als unglaubwürdig abgetan, weil sie zu märchenhaft klangen, aber als die Europäer begannen die Welt über die Meere zu erobern, stießen sie auf diese Kultur.

Diese Begegnung von Ost und West ist einen eigenen Blogbeitrag wert. Den findest du hier: Begegnung Europas und Chinas am Beginn der Neuzeit


Deswegen hier nur ein paar Bilder.

Rikscha, Rickshaw, Shanghai History Museum
Rikscha, Rickshaw, Shanghai History Museum

Qipao, Cheongsam, Shanghai History Museum
Qipao, Cheongsam, Shanghai History Museum

Hafenszene, Harbor Scene, Shanghai Histroy Museum
Hafenszene, Shanghai Histroy Museum

Kanone aus dem Opiumkrieg, Canon from Opium War, Shanghai History Museum
Kanone aus dem Opiumkrieg, Shanghai History Museum

Eine chinesische Bronzekanone aus dem Opiumkrieg, die 1984 gefunden wurde. Auf ihr ist eingraviert: "Chen Huacheng, Zhengyuan General und Generalgouverneur von Jiangnan". Chen Huacheng kämpfte im Opiumkrieg gegen die Briten in Wusongkou, dort wo der Huangpu in den Yangtse mündet.


Arbeitsplatz eines Setzers, Office of a typesetter, Zeitungsstraße, Newspaperstreet Wangping Road, Shanghai History Museum
Arbeitsplatz eines Setzers, Office of a typesetter, Zeitungsstraße, Newspaperstreet Wangping Road, Shanghai History Museum

Zeitungen in Schanghai: Hier sieht man den Arbeitsplatz eines Setzers. Im Hintergrund fällt der Blick durch ein Fenster auf die Wangping Straße, der heutigen Shandong Road, die von der Fuzhou Straße zur East Nanjing Road führt. Auf nur 200 Metern wurden innerhalb eines Jahrhhunderts dutzende Zeitungen gegründet. Diese Straße war einst das Zentrum der Verbreitung von Informationen und öffentlicher Meinung in China


Büro eines Redakteurs, Office of an editor, Zeitungsstraße, Newspaperstreet Wangping Road, Shanghai History Museum
Büro eines Redakteurs, Zeitungsstraße, Newspaperstreet Wangping Road, Shanghai History Museum












 
 
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